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Namenspatron

Portraitfoto von Dr. Franz Heinrich Köhler. Das Bild wurde 1928 aufgenommen, als er Bundesfinanzminister war. Quelle: Bundesarchiv.

Der Namenspatron der Schule, Heinrich Köhler, wurde am 29. September 1878 in der Luisenstraße 24 als Sohn eines Eisenbähnlers  geboren. Er war ein aufgeweckter Junge, jedoch hinlänglich fleißiger Schüler und lernte im kleinbürgerlichen Elternhaus schon früh, was politisches Engagement gegen soziale Ungerechtigkeit bedeutet. Als Zeitungsausträger musste er einen Teil zum Unterhalt der Familie beitragen.

Von 1885 –1894 besuchte er die Volksschule und die Kant-Realschule in Karlsruhe. Gelegentlich ging er statt in die Schule lieber in den Landtag, um dort Debatten zu verfolgen. Nach der Realschulzeit ergriff Köhler lieber einen Beruf (Finanzgehilfe in Karlsruhe und danach Zollamtsgehilfe in Mannheim) als zwei Jahre die Oberrealschule zu besuchen, was er später als Fehler einsah. Spät erwachte in ihm ein leidenschaftlicher Wissensdurst.

Politisch wandte er sich dem Zentrum zu und wurde 1911 durch sein auffälliges politisches Engagement Stadtverordneter in Karlsruhe. Doch der Erste Weltkrieg beendete zunächst seine politische Karriere. Wegen seiner exzellenten finanzpolitischen Kenntnisse wurde er 1920 badischer Finanzminister. Seine natürliche organisatorische Veranlagung, seine  rückhaltlose Einsatzbereitschaft und überdurchschnittliche Arbeitskraft ließen ihn die Verwaltungsaufgaben souverän meistern. Weil er als Finanzminister einfach alles wusste, kam er ohne Referenten aus und flößte seinen Beamten großen Respekt ein. In seiner siebenjährigen Amtszeit förderte er besonders die Energiesparte durch Gründung der Badenwerk AG (heute EnBW), Bau des Murgtalkraftwerks (Schwarzenbachtalsperre), Planung des Schluchseekraftwerks, Errichtung der Hochrheinkraftwerke, Förderung des Kali-Abbaus in Buggingen und Ausbau des badischen Eisenbahnnetzes. Zweimal begleitete er in dieser Zeit auch kurzzeitig das Amt des Badischen Staatspräsidenten.

Entsprechend der auch heute noch praktizierten Gepflogenheit, dass erfolgreiche Landespolitiker auf Bundesebene gelangen, wurde Heinrich Köhler 1927 zum Reichsfinanzminister berufen und war dort eineinhalb Jahre erfolgreich. Da er die Veränderungen in der Politik mit sicherem Instinkt bemerkte und voraussah, legte er 1932 auch sein Reichstagsmandat nieder und kehrte nach Karlsruhe zurück. Dort konnte er aber wegen der nationalsozialistischen Anfeindungen und Bedrohungen auch nicht lange bleiben. 1937 bis 1943 brachte er seine Familie als Reisender für Textilmaschinen und Vertreter wirtschaftlicher Interessen in Berlin durch, musste aber schließlich doch unter Zurücklassung seines Hausstandes und seiner geliebten Bücherei zur Sicherheit nach Mudau im Odenwald flüchten, wo er das Ende des Reiches erlebte.

Mit seiner ganzen politischen Persönlichkeit und seinem leidenschaftlichen persönlichen Engagement widmete sich der 67jährige dem politischen Aufbau nach dem Kriege. Von den Amerikanern als Präsident des Landesbezirks Nordbaden eingesetzt baute er eine neue Verwaltung auf. Als Nordbaden und Nordwürttemberg zum Land Württemberg-Baden vereint wurden, übernahm Köhler kurz das Wirtschaftsministerium und dann das Finanzministerium, ab 29.10.1945 war er auch stellvertretender Ministerpräsident.

Heinrich Köhler war ein Urbadener, aber genauso wie das Unheil des Nationalsozialismus hat er auch die politische Zukunft der Kleinstaaten Baden und Württemberg voraus gesehen und deshalb den Zusammenschluss gefördert. Das brachte ihm wieder Anfeindungen ein und eine Würdigung seines politischen Wirkens blieb ihm in den eigenen Reihen lange versagt. Heute können wir ihn als badischen Vater des Südweststaats ansehen.

Heinrich Köhler starb am 6. Februar 1949.

Die Stadt Karlsruhe verlieh Heinrich Köhler 1947 als erstem Bürger nach dem zweiten Weltkrieg die Ehrenbürgerrechte und benannte 1964 die Rintheimer-Feldschule nach ihm. In der Nordweststadt gibt es auch einen Heinrich-Köhler-Platz.

Diese Gedenktafel ist an der Postgalerie unterhalb des Arbeitszimmers von Heinrich Köhler angebracht.Im Regierungspräsidium wurde 2006 ein Sitzungssaal nach Heinrich Köhler benannt.

Text von Hartmut Meny

 

Verwendete Literatur: Heinrich Köhler, Lebenserinnerungen, Kohlhammer Verlag Stuttgart, 1964

 

Zeitungsartikel: Köhler entwickelte Vision Baden-Württembergs.